Die bauliche Gestaltung in Dudensen!

Eine Empfehlung der Dorfgemeinschaft über den Umgang mit der baulichen Gestaltung in Dudensen.

Auszüge aus dem Dorferneuerungsplan (2011). Kapitel 08

Gestaltungsempfehlung:
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass von alter Bausubstanz soviel wie möglich erhalten werdensollte. Wenn neue Materialien verwendet werden, sollten solche vorgezogen werden, die in Harmonie zum Ortsüblichen und Ortsbildprägenden stehen. Bei Baudenkmalen und bei benachbarten Gebäuden von Baudenkmalen ist vor Maßnahmebeginn eine denkmalrechtliche Genehmigung einzuholen. Dies gilt auch für Maßnahmen in der unmittelbaren Umgebung, beispielsweise Straßenbauarbeiten. Bei der Genehmigung ist mit Auflagen hinsichtlich der gewählten Materialien, Ausführung etc. zu rechnen, um eine Beeinträchtigung des Baudenkmales zu verhindern.
Auch im Bereich von archäologischen Fundstellen und archäologischen Denkmalen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung einzuholen. Grundsätzlich sollte bei allen geplanten Erdarbeiten eine frühzeitige Benachrichtigung der Denkmalbehörde erfolgen.
Darüber hinaus sollte bei Erneuerungs- oder Umbaumaßnahmen an alter Bausubstanz berücksichtigt werden, dass gerade in alten Gebäuden noch seltene Tierarten wie Schleiereulen, Fledermäuse, Schwalben einen Rückzugsraum gefunden haben. Diese Tierarten sind gemäß § 42 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders bzw. strenggeschützt. Ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht zerstört werden.
Baukörper

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Beispiel: Proportionen angepasst

In den Dörfern im Neustädter Raum ist – wie in ganz Niedersachsen – ein im Grundriss langgestreckter rechteckiger Baukörper mit steilem Satteldach vorherrschend. An diesen Proportionen sollte sich auch ein Neubau im alten Ortskern orientieren.

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Beispiel: Neubau an Hofanlagen angelehnt.

Der typische Neubau mit eher quadratischem Grundriss und verhältnismäßig flach geneigtem Dach passt hingegen wenig in die Nachbarschaft dörflicher Bausubstanz.

Die Hofanlagen bilden mit den angebauten Nebengebäuden oft zusammenhängende Gebäudekomplexe. Vor allem in Hagen gibt es auch dreiseitig geschlossene Hofformen. Diese Hofformen sollten auch bei Abriss / Ersatz von Gebäuden möglichst erhalten bleiben. Dies kann durch Hausgruppen und / oder Nebengebäude wie Garagen, Abstell- bzw. Kellerersatzräume mit geneigten Dächern erfolgen. Auf diese Weise kann die charakteristische Baustruktur der Dörfer erhalten bleiben.
Dacheindeckung
Für die Neueindeckung von Dächern sollten naturrote Ziegelpfannen verwendet werden. Sie sind lange haltbar und bekommen durch den Alterungsprozess eine lebendig wirkende Patina. Es sollte auch überlegt werden, ob vorhandenes Material verwendet werden kann, beispielsweise für Reparaturen an Nebengebäuden. Neben dem traditionellen Krempziegel und der Hohlpfanne können auch Hohlfalzziegel verwendet werden, die eine geschwungene Form aufweisen. Es sollten naturrote, nicht engobierte Ziegel verwendet werden, pro m² mindestens 14 Stück, d.h. keine Großziegel.Für die flach geneigten Vorschauer landwirtschaftlicher Nebengebäude können ausnahmsweise auch Trapezbleche verwendet werden. Sie können entweder eine rote Farbgebung erhalten oder als Stahlblech natürlich altern.
Fassaden

gestaltung-3In Dudensen sind noch viele Gebäude in Fachwerkbauweise vorhanden. Manchmal haben sich Gefache mit Lehmschlag erhalten. Diese sollten auch wegen des angenehmen Raumklimas möglichst erhalten bleiben. Überwiegend best ehen die Gefache jedoch inzwischen aus einem glatten roten Ziegel mit grauen Fugen. Vereinzelt finden sich auch weiß verputzte Gefache. Nicht regionaltypisch sind weiße Fugen sowie genarbte und gesandete Ziegel. Das Holz ist braun. Die Fachwerkgebäude sollten in ihrem Erscheinungsbild erhalten bleiben.

Charakteristisch sind weiterhin Fassaden in massivem roten Ziegelmauerwerk aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, die mit Gesimsen und Zierbändern aus Formsteinen verziert sind. Die Sohlbänke der Fenster sind meist mit glasierten Ziegeln ausgestattet. Diese alten Ziegelfassaden können durch schonende Reinigung, einen offenporigen Schutz und eine Erneuerung der Fugen wieder wetterfest gemacht werden. Stark geschädigte Ziegelsteine müssen ausgewechselt werden. Bei der Verwendung von neuen Ziegeln sollte darauf geachtet werden, dass die Steine eine glatte Oberfläche haben und lebendig rot sind. Zum Schutz der Wettergiebel wurden traditionell Krempziegel oder Hohlpfannen verwendet. Die Fenster wurden dabei mit Holz eingefasst. Typisch ist auch eine Holzverschalung (Deckelschalung).
Türen
Die Haustür ist der Übergang von außen nach innen und stellt ein repräsentatives Elemengestaltung-5t dar, das mit Sorgfalt ausgewählt werden sollte. Der Schmuckwert der Haustür muss dabei auch im Verhältnis zur Umgebung stehen. In einem dörflichen Gebäude wirken Türen, die eher in „vorstädtische Neuzeitvillen“ führen, unpassend. Im dörflichen Rahmen sind handwerklich gefertigte Holztüren zu empfehlen. Sie sollten naturbelassen bleiben oder in braunen oder grünen Farbtönen gestrichen werden. Eine weiße Farbgebung ist für Haustüren in dieser Region untypisch. Die traditionellen alten Haustüren sind oft doppelflügelig mit einem verglasten Oberlicht.
Fenster
gestaltung-4Historische Fenster haben sich erstaunlich häufig erhalten. Typisch ist ein stehendes Format mit zwei Flügeln und einem Oberlicht sowie häufig einer weiteren Teilung durch Sprossen. In Fachwerkhäusern waren die Fenster direkt am Holz angeschlagen. Bei den Ziegelgebäuden der Zeit um 1900 haben die Fenster oft einen Stichbogen. Bei der Erneuerung sollten Holzfenster verwendet werden. Sie bieten viele Möglichkeiten der Profil- und Farbgestaltung. Holzfenster lassen sich überdies besser korrigieren und reparieren.
Um den Pflegeaufwand zu vermindern, kann ein widerstandsfähiges Holz ohne Anstrich, ggf. mit Lasur, verwendet werden (Eiche oder Lärche). Die Fenster sollten mit einer konstruktiven Teilung in Oberlicht und 2 Flügel versehen werden, die ergänzend durch schmalere Sprossen gegliedert werden können. Möglich ist auch die sog. Wiener Sprosse. Unbedingt zu vermeiden sind hingegen Sprossen, die zwischen den Scheiben eingelegt werden.